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Kapitel 7 - Kalte Augen


Bedrückt saß Akiza am Tisch und stocherte mit der Gabel in ihrem Rührei herum. Ihr war nicht nach essen, dazu hingen ihre Gedanken zu sehr an Kimiko. Ihre Freundin war gestern doch wirklich mit dem Feind mitgegangen… Und keiner wusste warum. Rina hatte zwar eine Befürchtung, aber dennoch… Sie konnte nicht glauben, dass Kimiko sie einfach so verraten würde, sie hätte sicher vorher das Gespräch mit Rina gesucht! Dennoch, es war traurige Wirklichkeit… Sie hatte ihre Freundinnen verraten. „Akiza-san?“ Die Türkishaarige sah auf und blickte in die blauen Augen eines schwarzhaarigen Jungen. Wer war das denn? Woher kannte er ihren Namen? „Wer…?“ fragte sie verwirrt. Der Junge legte den Kopf schief. „Ich bin es, Kuroh, Kimikos Pinguin!“ sagte der Junge und Akiza weitete geschockt die Augen. „Häääää????? Du hast eine Menschengestalt?!“ Kuroh nickte nur. Akiza sprang sofort auf und zog an den Backen des Schwarzhaarigen. Er war echt, sie träumte also nicht. Das sollte wirklich Kimikos Pinguin sein? Mann! Sie war echt verwundert. „Guten Morgen Akiza, Kuroh!“ Akiza blickte zusammen mit Kuroh zu der Stimme, vor ihnen Stand Sakura-san, die Besitzerin des Hotels. „Habt ihr euch etwas erholt von gestern?“ fragte die Dame besorgt, Akizas Blick wurde wieder traurig. „Nein… noch nicht ganz. Aber muss ja gehen…“ murmelte sie. In dem Moment ging auch die Türklingel los und die blaue und rote Prinzessin betraten das Hotel. „Guten Morgen!“, meinte Akari mit ihrer üblichen Energie. Rina war eher ruhig, das war sie schon seit gestern Abend, immerhin gab sie sich die Schuld an Kimikos verrat. „Wie holen wir Kimiko zurück?“ fragte Akari auf einmal in die Runde. Akiza und Rina sahen sich fragend an. Plan? Sie hörten wie Sakura sich räusperte. „Ich weiß, dass es komisch klingt, aber ihr solltet in das schwarze Reich reisen und mit Kimikos Schwester reden. Wenn Kimiko hört, dass ihr Reich und ihre Schwester sie akzeptieren und nicht als schlechtes Omen ansehen, dann kommt sie vielleicht zurück.“ Die drei Prinzessinnen sahen sich an. Einen Versuch war es doch wert, oder? „Ich… bleibe hier. Wir wissen nicht, wann etwa ein Bösewicht auftaucht.“, schlug Akari vor. Das war eigentlich ein guter Plan, deswegen stimmten Akiza und Rina auch gleich zu. Sie würden das schon zu zweit schaffen. „Also gut!“, meinte Akiza nun etwas mutiger: „Auf zum Reich des Antarktischen Ozeans!“



„So viele von euch haben versagt!“, schimpfte Kurogane ernst in seine Gruppe. Vor ihm kniete seine gesamte Dienerschaft. Viele hatten demütig den Kopf gesenkt, bis auf Kana. „Die Einzige von euch, die einen Erfolg hatte war Kana! Sie hat es nicht nur geschafft, dass sie mir eine Perle besorgt, nein! Sie hat mir gleich noch die dazugehörige Meerjungfrau gebracht und sie überredet uns beizutreten!“ Ja, Kana hatte ein wenig die Wahrheit verdreht, aber sie liebte es gelobt zu werden. „Tritt herein, Meerjungfrau!“ sagte Kurogane ernst und sah zu der großen Tür zu seinem Thronsaal. Sie öffnete sich und durch schwamm Kimiko, ihr Blick war kalt, genauso wie es ihr Herz seit dem Verrat war. Sie blieb vor Kurogane stehen, doch verneigte sich dann ebenfalls. „Kurogane-sama. Ich danke euch, dass ihr mich aufnehmt in eure Reihen.“ Kurogane hob den Kopf von Kimiko an und sah ihr tief in ihre dunkelgrauen Augen. „Deine Augen verraten mir, wie du dich fühlst. In ihnen sehe ich Leid und Verrat. Keine Sorge, bei uns bist du willkommen, und du kannst dich an den Meerjungfrauen rächen, welche dir das angetan haben. Sag, wie heißt du?“ „Nennt mich Kim…“, antwortete Kimiko ruhig. „Kiroi!“ rief er und blickte über seine Schulter. Er ließ Kimikos Kopf los und sah zu seinem jüngeren Bruder. „Zeige Kim ihr Zimmer.“ Kiroi blickte etwas abwertend zu der weißen Meerjungfrau. „Meinst du wirklich, wir können ihr vertrauen? Sie ist immer noch eine Meerjungfrau.“, doch Kurogane nickte nur auf die Bedenken seines jüngeren Bruders hin. „Ich vertraue ihr, also tu du dies bitte auch!“ Das war genug für Kiroi um seine Bedenken über Bord zu werfen, immerhin vertraute er seinem Bruder. Er machte sich mit Kimiko auf den Weg durch den Palast in den tiefsten Tiefen der See. „Yami!“ „Ja, Kurogane-sama“ aus dem Schatten trat der Diener, welcher ihm schon die weiße Prinzessin der Zukunft gebracht hatte. „Diesmal vertraue ich auf dich. Enttäusche mich nicht, verstanden?“ Die Fledermaus nickte nur ehe sie in der Dunkelheit verschwand.



Akiza und Rina waren unterdessen im schwarzen Reich angekommen. Sie sahen sich um. Hier wirkte alles so anders als in ihren Reichen… Viel altmodischer. Kein Wunder, dass sie bei Kimikos Geburt so komisch gewesen waren, und sie als schlechtes Omen angesehen hatten. Die waren hier anscheinend im Mittelalter hängen geblieben. Vor dem Palast wurden sie von zwei Wachen aufgehalten. „Was wollt ihr hier?!“ fragte der eine Meermann kalt. „Ich bin Prinzessin Akiza, und das ist Prinzessin Rina. Wir wollen zu eurer Prinzessin Kyoko. Es gibt etwas wichtiges, was wir mit ihr bereden müssen!“ Die Wachen ließen die Beiden passieren, wohl auch nur, weil sie ebenfalls Prinzessinnen waren, aber das warum war egal, es zählte nur, dass sie es geschafft hatten. Nun mussten sie nur noch Kimikos große Schwester überzeugen, ihnen zu helfen. Sie schwammen in den Thronsaal, wo Kyoko sie bereits erwartete. „Meine Wachen haben mir Bescheid gegeben. Was gibt es so wichtiges, dass ihr mich in meinem Reich aufsucht?“ fragte die silberhaarige Meerjungfrau. Akiza staunte nicht schlecht, Kimikos Schwester war ja wunderschön. Ihr blieben die Worte fast weg. „Wir sind wegen eurer Schwester hier!“, sagte Rina sofort. Akiza sah etwas nervös zu ihr. „Hey, du kannst doch nicht einfach so raus platzen damit!“ Aber Rina schien das recht herzlich wenig zu interessieren. Deren Blick lag ernst auf Kyoko, welcher Miene sich verfinsterte. „Warum wollt ihr über sie reden? Sie ist ein schlechtes Omen, nehmt ihren Namen nicht mal in den Mund, das ist das Beste für euch!“ Nun wurde Akiza aber richtig sauer, wie konnte diese aufgeblasene Seegurke es wagen, so von Kimiko zu reden, von ihrer eigenen Schwester. „Also wirklich! Du bist ihre große Schwester! Du solltest dir lieber Sorgen um Kimiko zu machen, statt um ein „schlechtes Omen“! Und weißt du was? Kimiko ist kein schlechtes Omen, nein! Die Meeresgöttin Umi hat sie selbst zu einer Kriegerin im Kampf gegen die Seemonster gemacht! Wir wollten dich eigentlich bitten, uns zu helfen, sie zurück zu holen, da sie glaubte, wir haben sie verraten, aber am besten ist, du bleibst ihr und uns fern! Komm Rina! Schwimmen wir!“ meinte sie sauer und zog Rina hinter sich aus dem Palast raus. Rina sah nur verwundert zu Akiza. So viel fluchen konnte die türkise Prinzessin? Das hatte sie nicht erwartet.



Etwas weiter weg vom schwarzen Reich hatte sich Akiza dann endlich beruhigt. Na ja, zumindest zu einem Teil. Sie sah zu Rina. „Wie kann diese dumme Seekuh es wagen, so von Kimiko zu reden? Die ist doch nicht ganz dich!“ Rina seufzte etwas. „Das mag wahr sein, aber du hättest nicht so austicken dürfen, vielleicht hätten wir sie ja doch überreden können.“ Akiza bließ ihre Backen auf. „Vergiss es! Die brauchen wir nicht!“ „Habe ich euch endlich gefunden, Meerjungfrauenprinzessinnen!“ Akiza und Rina sahen auf. Da hatte doch jemand geredet. Etwas über ihnen schwebte gerade der Fledermausdiener von Kurogane. Er grinste fies. „Ich werde euch nun fangen!“ Sofort ertönte sein Lied.

Shigarami no kabe fumikoe
Hitoyo kagiri no chigiri demo
Koukai wa shinai zekken no furui
SAKURIFISU


„Kiyaaaah!“ sofort hielten sich Akiza und Rina ihre Ohren zu. Das Lied schmerzte so sehr, sie mussten sich verwandeln! Sie durften hier nicht scheitern? „T…turquoise Pearl Voice!“ rief Akiza, Rina folgte sofort: „Aiiro Pearl Voice!“ Die Beiden verwandelten sich in ihre Idol gestalten, doch sie konnten nicht anfangen zu singen, sofort hielten sie sich wieder die Hände an die Ohren. Die Fledermaus ließ ihnen keine Chance zu singen, sein Lied war viel zu stark. Rina wollte nicht aufgeben, sie versuchte einfach zu singen. „Lonely my love, lonely my heart! Tsubomi ja nai!“ Akiza blickte zu ihrer Freundin und stimmte so gut es ging mit ein. „Lonely my love, lonely my heart! Tsumaretai yo!“ Yami brachte das etwas aus dem Takt, sauer sah er zu den Beiden. „Seid gefälligst still, wenn ich singe!“, fluchte er sauer, doch Akiza und Rina nutzten das sofort aus, um ihr Lied zu singen!

Anemone heart, my lonely heart
Hitori saku hana no namida
Mitsumete motto watashi o koko ni iru watashi
Anemone heart karadajuu itoshisa ga kakenukete
Itsuka fureau ai no kodou

Lonely my love. lonely my heart
Tsubomi janai
Lonely my love. lonely my heart
Tsumaretai no


Yami war nun an der Reihe, sich seine Ohren zu halten. Verdammt, warum war er so unvorsichtig gewesen? Diese verdammten Prinzessinnen! Das würden sie noch bereuen, doch fürs Erste musste er fliehen. „Ich bekomme euch schon noch, ihr verdammten Meerjungfrauen!“ mit diesen Worten löste er sich in Luft auf. Akiza und Rina sahen sich zufrieden an. Sie hatten es endlich geschafft, die Fledermaus zu vertreiben. „Ich bin alle… schwimmen wir heim?“ fragte Rina doch Akiza blickte zur Oberfläche. „Wollen wir nicht noch etwas bleiben? Ich will dem Schnee beim Fallen zusehen.“ Rina kicherte etwas. Manchmal war Akiza kindisch, doch sie mochte es. Sie nickte also und schwamm mit der Meerjungfrau an die Wasseroberfläche, wo sie zusahen, wie die Schneeflocken vom Himmel fielen. Bei ihnen würde das noch lange dauern, es war gerade Sommer bei ihnen, aber hier war es immer kalt, immer Winter. Der Schnee war einfach nur schön. Er malte alles in einem hübschen Weiß. „Ich dachte mir ja, dass ihr hier her kommen werdet…“ ertönte eine kalte Stimme. Akiza und Rina blickten auf eine der Eisschollen vor ihnen, auf welcher jemand stand. Es war Kimiko! „Kimi-chan!“ rief Akiza freudig, und wollte zu ihr schwimmen doch Rina hielt sie davon ab. „Nein, denk daran. Sie ist nicht mehr unsere Kimiko…“ Kimiko lachte finster. „Wie wahr Rina, da hast du recht. Ich werde auch nie wieder zu euch miesen Verrätern gehören! Und nun, werde ich euch zu Kurogane-sama bringen!“ Mit diesen Worten fing Kimiko an, ihr Lied der Dunkelheit zu singen.



Tsukurareta kao de sotto chikadzuite
Shinjiru mono wo yami ni otosu
Ito ni karamaru emono no you ni
Tada hitasura ni sora wo aogu


„Nicht doch!“ Rina hielt sich die Ohren. Sie waren doch gerade erst einem Feind entkommen, warum nun das schon wieder? Akiza schrie neben ihr, das Lied schien sie noch mehr mitzunehmen, als Rina selbst. Vielleicht weil Akiza enger mit Kimiko verbunden war als sie. Nochmal würden Rina und Akiza es nicht schaffen, sich zu verwandeln! Was sollten sie nur tun?

Cambierà
con la amore riuscirò
a spegnere il male che c’è qui
che non puo più dividerci


Erschrocken hörte Kimiko auf zu singen und blickte zu der Sängerin des anderen Liedes, es war… „Kyoko?“ Kimiko hielt sich ihre Ohren. Ihre Schwester war hier? Warum denn das? Und warum tat deren Lied so weh in ihren Ohren. „Das… wirst du bereuen! Ihr alle werdet bereuen was ihr mir angetan habt!“ Mit diesen Worten verschwand Kimiko. Traurig blickte Kyoko ihr nach. „Kimiko… Was ist nur aus dir geworden… Verzeih, dass ich so eine schlechte Schwester war…“ murmelte die schwarze Prinzessin traurig. Akiza und Rina sahen zuerst sich, dann Kyoko verwundert an. Die blauen Augen der nun Schwarzhaarigen glitten zu den beiden Meerjungfrauen vor ihr. „Deine Ansprache hat mich wach gerüttelt, Prinzessin Akiza. Ich werde mit euch kommen, ich werde meine kleine Schwester retten und nach Hause holen!“



„Nanu? Da liegt jemand!“ An einem Strand war gerade eine junge, lavendelhaarige junge Dame am Spazieren, als sie jemanden im Sand liegen gefunden hatte. Vorsichtig beugte sie sich zu der Person und versuchte ihn zu wecken. Doch er reagierte nicht. Sie wollte helfen, also nahm sie den Mann kurzer Hand mit nach Hause. Sie würde ihn da schon gesund pflegen. Sie war einfach so ein hilfsbereiter Mensch. Vorsichtig glitt ihr Blick nochmals raus auf das große und weite Meer. „Ein Sturm zieht auf…“ Sie machte sich sorgen, doch im Moment war der Verletzte wichtiger!